Audienz des neokatechumenalen Wegs beim Hl.Vater am 20.01.2012


Der Heilige Stuhl wird heute während einer Audienz mit 7.000 Teilnehmern des Neokatechumenalen Weges die Feiern, die dieses Itinerarium christlicher Formung kennzeichnen, approbieren. Darüber hinaus wird der Heilige Vater 18 neue Missio ad gentes in die ganze Welt aussenden.

Wir haben Kiko Argüello, der zusammen mit Carmen Hernández Initiator des Neokatechumenalen Weges ist, um einen Kommentar gebeten.

Kiko: Einer der Beweise der Gültigkeit dieses Itinerariums, das dazu dient, in der heutigen Zeit erwachsene Christen zu formen, sind die Familien in Mission, fast 1.000 Familien überall auf der Welt.

In diesem Treffen wird der Heilige Vater 18 neue Missio ad gentes aussenden: zu den Ureinwohnern Australiens, Papua-Neuguineas und zu den säkularisiertesten Gegenden Europas.

Diese Missio ad gentes bedeuten eine neue Form der Präsenz der Kirche.

Heute gibt es viele völlig säkularisierte Menschen, die nicht in den Tempel gehen, die kein Interesse an Kirchen haben. Wenn sie aber eine Gruppe von Christen sehen, die sich lieben, dann sind sie interessiert, sie sind beeindruckt von der Form, sich zu beziehen.

Wir haben sehr viele Erfahrungen von Menschen, die um die Taufe gebeten haben, als sie gesehen haben, wie wir uns zueinander beziehen, wie wir uns lieben.

Denn die Menschen in ganz Europa sind sehr einsam.

Dies ist heute eine erschreckende Wirklichkeit in den modernen Städten: so viele Menschen, die alleine leben, so viele Alkoholiker, so viele Selbstmorde, so viele Scheidungen – von den vielen Abtreibungen gar nicht erst zu reden.

Also: es ist eine neue Präsenz der Kirche nötig.

 

Nun, beim Symposion der europäischen Bischöfe 1985 sagte Johannes Paul II. zu den europäischen Bischöfen, dass die Situation Europas sehr schwierig ist, dass Europa sich auf die Apostasie hin bewegt, dass es dabei ist, die Familien zu zerstören. Aber man braucht keine Angst zu haben, sondern es braucht Hoffnung, da der Heilige Geist bereits eine Antwort gibt: im Gehorsam gegenüber den Worten des Papstes, ist es nötig, zum Abendmahlsaal zurück zu kehren, man muss zum allerersten apostolischen Modell zurück, als die Kirche in den Häusern war, und die Menschen, die mit diesen Gemeinschaften in Kontakt kamen, verblüfft waren und Christen werden wollten.

Das ist es, was der Weg heute tut, dem folgend, was Johannes Paul II. gesagt hat: christliche Gemeinschaften zu formen inmitten völlig heidnischer Milieus, wie in Chemnitz, die Modellstadt des kommunistischen Deutschlands, in der heute 98% Ungetaufte leben. Der Bischof von Chemnitz hat um zwei Missio ad gentes gebeten, aus denen schon zwei Gemeinschaften von Heiden hervorgegangen sind, Ungetaufte, die erstaunt waren, als sie eine christliche Gemeinschaft sahen.

 

Dies ist es, was eine Missio ad gentes ist: sie ist eine neue Präsenz der Kirche, sie ist die Antwort der Neuvangelisierung, sie ist die konkret gelebte Neuevangelisierung. Der Papst ist sehr glücklich darüber, 18 neue Missio ad gentes nach Europa, u.a. nach Südfrankreich (Toulon, Albi, Montpellier, Bayonne) auszusenden.

 

Frage: Was denken Sie über die Approbation der Feiern, welche die Etappen der vom Weg getragenen christlichen Initiation markieren und kennzeichnen?

 

Kiko: Es ist ein historischer Moment, es ist das, was wir erwartet haben: die Kirche anerkennt die Gültigkeit dieser christlichen Initiation. Die Kirche hatte angeordnet, die Lehre zu studieren und hat diese approbiert.

Jedoch sagte die Kongregation für den Gottesdienst, dass es nötig war, sie unter liturgischen Gesichtspunkten zu untersuchen. Und nun kommt das Siegel, welches besagt, dass auch diese Feiern, welche die Etappen des Wachstums im Laufe des Itinerariums der Reifung des neuen Menschen kennzeichnen, wunderbar und wahrlich inspiriert sind. Sie helfen dem Menschen im Glauben zu wachsen und mit Jesus Christus eins zu werden, damit er ein Christ werde.

Alles in der Kirche muss studiert und approbiert werden.

Wie könnten wir nach so vielen Jahren nicht glücklich und Gott gegenüber dankbar sein, dass die Kirche nach so vielen Leiden und so vieler Arbeit auf der ganzen Welt offiziell anerkennt, dass diese christliche Initiation gültig ist für Formung eines Christen, eines neuen Menschen, eines erwachsenen Christen.

Diesen Christen gliedern wir in eine christliche Gemeinschaft ein, weil es heute nötig ist, die Zeichen sichtbar werden zu lassen, die im Altertum die Heiden zum Glauben führten, die dann ausriefen “schaut, wie sich die Christen lieben”.

Denn auch im Altertum gab es die gleichen Problem wie heute: die Menschen waren einsam, allein. Der Mensch, der der Macht des Teufels unterworfen ist, ist allein, er weiß nicht, was miti hm passiert, er kann nicht lieben, weil – wie der Hl. Paulus sagt – Christus gestorben ist, auf dass der Mensch nicht mehr für sich selbst lebe. D.h., der Hl. Paulus sagt, dass der Mensch, der sich von Gott trennt,  ist wie dazu verdammt, alles für sich selbst zu haben. Und dies lässt ihn leiden, weil er sich bewusst wird, ein Egoist zu sein.

 

Wir sind Benedikt XVI. und der Kirche gegenüber sehr dankbar, und in diesem Akt sehen wir, dass sie wirklich eine Mutter ist, eine Mutter und Meisterin.

 

Diese Approbation, die nach 15 Jahren des Studiums vonseiten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung schließt den Approbationsprozess des Neokatechumenalen Weges ab: in der Tat hat der Hl. Stuhl im Jahr 2008 die endgültige Fassung der Statuten und im Jahr 2011 die in den 13 Bänden des Katechetischen Direktoriums des Neokatechumenalen Weges enthaltene Lehre approbiert.

 

Benedikt XVI. wird 18 missio ad gentes aussenden: 13 nach Europa (Albi; Nizza; Bayonne; Toulon; Straßburg; Lyon; Anvers;  Marseille; Lubljana, Slowenien; Sarajewo, Bosnien;, Tallin, Estland; Wien; Manchester), vier nach Amerika (drei nach Boston und eine nach Venezuela); eine nach Afrika in Libreville, Gabon. Darüber hinaus wurden weitere Familien zu den bereits unter den Ureinwohnern Australiens, in Papua-Neuguinea und in der Ukraine gebildeten missio ad gentes gesandt.

Jede missio ad gentes besteht aus drei oder vier kinderreichen Familien, die zusammen mit einem Priester in einer entchristlichten Gegend leben werden oder dort, wo das Evangelium nie verkündet wurde.

Diese missiones kommen zu den 40 hinzu, die von Benedikt XVI. in den vergangenen Jahren bereits ausgesandt wurden.